Artikel

Hier findest du eine Auswahl meiner Artikel, die ich seit Beginn meiner nebenberuflichen Tätigkeit als Journalistin veröffentlicht habe. Es fing mit der Schülerzeitung an. Im Laufe der Jahre arbeitete ich für verschiedene Zeitungen und Magazine.

Obwohl es sich um eine Auswahl handelt, hat sich einiges über die Jahre angesammelt. Nimm dir also ein bisschen Muße, um hier durchzuscrollen.

Meine Veröffentlichungen für den “FLOW WOLF” findest du hier: https://flow-wolf.de/team/madita-e-heubach/


Magazin “Coolisse” (23. – 27. Juni 2014)

Die Coolisse war ein Magazin, das für eine Woche während der Niedersächsischen Theatertage 2014 erschien, um die Theaterauftritte der Schüler zu rezensieren und zusätzlich Unterhaltung zu bieten. Die Redaktion bestand aus Schülern des Ratsgymnasiums Wolfsburg und drei ehemaligen Schülern – darunter ich als ehrenamtliche Redaktionsleitung, Jonathan Horstmann als Chefredakteur und Lektorat, Maximilian Oehme als Chefredakteur und Designer – die die Redaktion betreuten. Als Redaktionsleitung half ich den Schülern bei der Recherche und dem unterstützte sie bei ihren Schreibprozessen. Außerdem verfasste ich selbst den einen oder anderen Artikel:

Ohne Cola geht gar nichts

Veröffentlicht am 24.07.2014

Während in der City die Festivalwoche beginnt, schließen sich anderthalb Dutzend Schreiberlinge und Fotografen in der Lernwerkstatt des Ratsgymnasiums ein, um dieses Magazin zu erstellen. Ob das gut geht?

11:30 Uhr und das erste Redaktionstreffen der „Coolisse“ steht an. Ein freudig-angespanntes Knistern voller Erwartungen liegt in der Luft. Und obwohl keiner einen absoluten Überblick über das Vorhaben Festivalzeitung zu haben scheint und jedem eine Menge unausgesprochener Fragen aus dem Gesicht abzulesen ist, sitzen die abgebrühten Redakteure auf ihren Stühlen mit ausgestreckten Beinen und den ersten 18 Schokoriegeln im Bauch.

Vorstellungsrunde. Ich wette um 20 weitere Schokoriegel, die ich auf ex verputze, dass es niemals eine schnellere gab. Jeder sagt seinen Vornamen, und der arme Jonathan, der sich, da bin ich so sicher, dass ich um weitere 30 Schokoriegel wette, keinen einzigen Namen merken kann, obwohl gerade er, der arme Jonathan, um diese Vorstellungsrunde gebeten hat.

Weiter im Text. Der arme Jonathan gibt einen kurzen Einblick in die Idee der Festivalzeitung mit brav vorbereiteten Folien. Dann zerstreuen sich alle, auf zu ihren Terminen, und der arme Jonathan, zwei Redakteure und ich bleiben mit 48 Schokoriegeln intus zurück. Aber als wäre all der Zucker noch nicht genug, trägt sich einer auch noch seinen eigenen 3-Sterne-Mini-Kühlschrank herein. Er ist babyblau. Der Kühlschrank, nicht Max, das in Sachen Schultheaterwoche erfahrenste Mitglied. Ich zitiere: „Ich kann ohne gekühlte Cola nicht arbeiten.“ Spricht‘s und kauft sich nach der Mittagspause neben Colaflaschen noch Coladosen, Käsestangen, Chips und eine Pflegedusche.

Wenn ich jetzt nach der Eröffnungsfeier, dem Stück Amelina und einer Flut von Schimpf über die Redaktionskameras mich in unserer Bat-Höhle umsehe, muss ich feststellen, sie sieht aus wie, ich entschuldige mich für den Ausdruck, Sau. Deshalb wollen wir morgen ein Redaktionsraum-Verschönerungsprogramm durchziehen, zu dem nicht nur das Aufräumen des Papiers 73 gegessener Schokoriegel gehört, sondern auch das, ich zitiere erneut, „Auslegen von Plüsch“ und der Klau einiger Sandsäcke aus dem dritten Trakt. Ich hoffe, ihr besucht mich im Gefängnis.

Eure Redaktionsreport-Reporterin


Der ganz normale Wahnsinn

Veröffentlicht am 25.07.2014

Die einen übernehmen Nachtschichten, die anderen stehen früh auf. Als Redaktionsmitglied muss man Strapazen in Kauf nehmen. Aber obendrein auch noch das Büro aufräumen zu sollen, das ist echt zu viel verlangt!

Etwas nach 11:30 Uhr am Dienstagvormittag komme ich müde, aber gut gelaunt, in unseren Stark-Tower spaziert. Sogleich schlägt mir der süßlich-faule Geruch von Fisch entgegen. Der Müll der inzwischen 89 konsumierten Schokoriegel ist auf sämtlichen Tischen verteilt, und Plastikbecher liegen wie vergessen Fußbälle in ihren Toren zwischen den Tischbeinen. Trotz alledem sind unsere Redakteure anscheinend so motiviert, ihre Texte zu schreiben, dass keinem diese Unordnung aufgefallen ist und sie deshalb das Redaktionsraum-Verschönerungsprogramm noch nicht in die Wege geleitet haben.

Als ich mich schließlich daran mache, das Chaos zu beseitigen, hilft immerhin der Gentleman namens Steffen, der schon so manchen unachtsam heruntergeworfene Papier für mich aufhob und mir dieses und jenes reichte, sodass ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekomme. Aber nur fast.

Jedenfalls hört man heute vor allem das sanfte Klappern der Tastaturen und gelegentliche Knistern der nächsten 99 Schokoriegel aus unserem Tower schallen. Die abgebrühten Redakteure sind nämlich schon früh aufgestanden (im Gegensatz zur Chefredaktion, ganz wie es sich gehört) und haben fleißig die Workshops besucht, um euch nun einen Einblick in jene geben zu können. Habt ihr fein gemacht, Schreibers.

So bewältigen wir also den täglichen Wahnsinn von streikenden Laptops, nicht funktionierenden Akkuladegeräten für Kameras und plötzlich vom Himmel fallenden Sintfluten und liefern hoffentlich am nächsten Morgen erneut eine gelungene „Coolisse“ ab.

Genug des Selbstlobs. Immerhin ist es doch verständlich, wenn unser armer Jonathan und Layout-Max bis um halb fünf Uhr am Morgen noch an dem Aussehen unserer Festivalzeitung basteln, um die tollen Texte unserer talentierten Redakteure gekonnt in Szene zu setzen. Nicht zu vergessen die professionellen Fotos. Also, hier ist deine gekühlte Cola, lieber Layout-Max, und hier dein Studentenfutter und dein Kaffee, lieber armer Jonathan, und ich koche mit noch eine Kanne Tee, und schon geht es in die nächste Runde! Bitte rettet mich vor dem Ertrinken in meinem Selbstmitleid.

Eure Redaktionsreport-Reporterin


Berge von Kuchen

Veröffentlicht am 26.07.2014

Im Prinzip funktioniert unsere Redaktion genauso wie Mikado, nur umgekehrt: Der Turm mit Lebensmitteln wird immer höher. Zur Schokolade gesellt sich nun auch noch Kuchen. Was soll man machen? Unser Verbrauch steigt eben auch.

Am Mittwoch musste man fast zum Paddel greifen und zur Schule rudern, so wenig wird der Sommer seinem Namen in diesem Jahr bisher gerecht. Es scheint, als wären wir nach der Hitzewelle vor drei Wochen direkt in den Herbst übergegangen. Wie gut, dass wir über ein gemütliches Chaos verfügen, in dem wir unsere Texte – in einem kreativen Prozess des Wörter-Zusammensuchens und Wahllos-aneinander-Hängens – tippen können.

Ganz ehrlich, obwohl ich alle fünf Minuten durch den Raum wusele und sämtlichen Müll der inzwischen 125 aufgebrauchten Schokoriegel entsorge, wird es einfach nicht weniger. Die abgebrühten Redakteure sind unersättlich und der Crashtest (s. S. 8) hat unseren Zuckervorrat zusätzlich angegriffen. Obwohl im Zuge dieser wissenschaftlichen Untersuchungen Schokoriegel gegen Wände flogen und Möchtegern-Mozarts das E-Piano im Raum zum Rauchen brachten, schafften es die Schreibers, unablässig Texte zu produzieren und Fotos abzuliefern, sodass der arme Jonathan am Ende ganz überwältigt von der Schnelligkeit war und kaum wusste, welchen Text er zuerst auseinandernehmen sollte.

Doch denkt bloß nicht, dass wir uns in unserer X-Academy bloß verschanzen und aus unsere Tasten hauen. Ganz im Gegenteil! Meistens wissen wir gar nicht, welche Aufgabe wir uns zuerst vornehmen sollen, und gerade dann kommt immer Besuch. Das Filmteam etwa bedient sich regelmäßig an unserem Lebensmittelverbrauch (der Verbrauch steig auf 184 Schokoriegel) und kurz nachdem der Gentleman namens Steffen seinen Schülerinnen selbst gebackenen Kuchen gebracht hatte, da diese wegen redaktioneller Verpflichtungen seinem Unterricht ferngeblieben waren, beehrte uns auch noch Herr Grube, ein Chemielehrer mit feiner Kuchennase. Zu seinem und unseren Bedauern: Die Kuchenform war da schon leer. Immerhin konnten wir ihm ersatzweise mit einem Schokoriegel aushelfen.

Wie gern hätte ich das Gesicht dieses Chemielehrers gesehen, als die liebe Frau Sander am Abend wiederum mit zwei Bergen von Kuchen in den Raum getanzt kam und sang: „Hätt‘ ich dich heut‘ erwartet, hätt‘ ich Kuchen da.“ Er hätte kaum glücklicher sein können als unser Layout-Max in dem Moment, da er seinen Kühlschrank öffnete und dort ganze acht frische und eisgekühlte Coladosen vorfand, die auf ihn warteten, um ihm eine weitere Arbeitsnacht zu versüßen. Nachdem er und der arme Jonathan in der Vornacht bis sechs Uhr morgens am Aussehen der „Coolisse“ gefeilt hatten, kamen diese mehr als verdient. Fangt mich auf, wenn ich von dem Berg aus Kuchen, Schokoriegeln und Coladosen stürze.

Eure Redationsreport-Reporterin


Eine(r) für alle(s)

Veröffentlicht am 27.06.2014

In der Redaktion werden heute die Laptops eingepackt. Wie gut unser Team in den vergangenen Tagen zusammengearbeitet hat, lässt sich kaum eindrücklicher beschreiben als mit einem Bericht vom letzten Festivaltag. Die Chefredakteure hatten schon wieder verschlafen.

Ach ja, die Woche geht allmählich zu Ende und die Stimmung am Donnerstagvormittag wirkt beinahe gedrückt. Aber nur beinahe. Denn sobald ich die Festung der Einsamkeit betrat, stürzten die Meldungen derart rabiat auf mich ein, dass der arme Jonathan und Layout-Max (der inzwischen befürchtet, dass seine Augäpfel aufgrund des Schlafmangels wie ausgetrocknete Rosinen aus seinem Kopf fallen könnten) es nach einer weiteren Nacht voller Arbeit am Design der „Coolisse“ verständlicherweise noch nicht aus dem Bett geschafft hatten und die Redaktionssitzung an mir hängen blieb. Und obwohl ich eigentlich zu dem nächsten Stück gehen musste, sammelte ich meine Superheldenkräfte und vollführte die schnellste Redaktionssitzung, die die Menschheit je gesehen hat (und die sogar der schnellsten Vorstellungsrunde Konkurrenz machte). Doch was wäre Batman ohne Robin? Was wäre die schnellste Redationssitzung ohne die schnellsten Redakteure? Ihr hättet des armen Jonathans positive Überraschung hören sollen, so wie ich sie am Telefon hörte, als er zur Mittagszeit anrief, sich nach unserem Befinden erkundigte und erfuhr, dass 70 Prozent der Zeitung bereits fertig getippt waren. Dank des Zuckers von 213 Schokoriegeln war wohl auch nichts anderes von den Schreibers zu erwarten.

Dementsprechend sprudelten der arme Jonathan und Layout-Max vor Liebe nur so über, wie sie uns wortwörtlich am Abend (und nach einem Becher Sekt) mitteilten. Und dementsprechend steigerte sich die Liebe in der Atmosphäre nur, als ich einen Liebespfeil abschoss und einer Redakteurin zum Glück verhalf. Doch bevor nach dem Public Viewing die Hochzeitsglocken läuteten, mussten noch die letzten Texte geschrieben werden.

Man muss ehrlicherweise sagen, dass wir den Abend dann lieber damit verbrachten, uns über diverse What‘s-App-Bilder und #Colaselfies lustig zu machen, sodass wir unsere Texte (und vor allem ich den Report) nur unter größter Anstrengung zwischen schlimmen Lachkrämpfen tippten.

Gerade fällt mir ein, dass ich Kuchennase-Grube heute schon den zweiten Berg an Kuchen anbieten konnte, und ich frage mich ernsthaft, wieso er dieses Mal nicht selbst der Spur gefolgt ist. Vermutlich hatte sich der Duft von Kuchen im Laufe der letzten Nacht so sehr in der Schule verteilt, dass er gar nicht mehr als solcher wahrzunehmen war.

Bevor ich nun aber vollends verrückt werde angesichts des Sekts und der vielen Lacher, verabschiede ich mich lieber von euch, den aufmerksamen Lesern, talentierten Schauspielern, unermüdlichen Helfern, und jedem, der sonst noch eine „Coolisse“ zwischen seine Finger bekam, wobei ich fast melancholisch werden, wenn ich daran denke, dass ich wohl nie wieder den Müll von 319 verbrauchten Schokoriegeln aufsammeln oder in Selbstmitleid ertrinken oder von Kuchenbergen stürzen darf und mich wieder dem Alltag von Belanglosigkeiten stellen muss. Vorsicht, Rutschgefahr! Wischt lieber meine Tränen auf, oder ihr verletzt euch noch.

Eure Redaktionsreport-Reporterin


Was bedeutet Theater für mich, für dich?

Veröffentlicht am 27.06.2014

Theater ist kreativ, bewegend, mitfühlend, spontan. Theater ist Ausdruck, Präsenz, Sprache. Wer Theater macht, schafft all diese Dinge und noch mehr. Theater definiert sich im Alltag ,spiegelt sich in uns wider und produziert neue Ideen. Wer Theater macht, macht vor allem sich selbst. Denn die Geschichten, die sich auf den Bühnen abspielen, kommen von uns und sind für uns. Eine Geschichte ist eine Beobachtung, eine Interpretation, ein Mitgefühl.

Was bedeutet Theater für mich? Wenn ich ins Theater gehe, möchte ich nicht nur unterhalten werden. Ich möchte berührt, mitgerissen, entführt werden. Entführt in fremde Welten, fremde Iden, fremde Geschichten. Ich möchte diese Geschichten zu einem Teil von mir werden lassen. Denn die Geschichten, die wir erleben, sehen, hören, formen das Selbst. Bewusst oder unbewusst, keine Erzählung geht einfach an uns vorbei. Sie geht durch uns hindurch und lässt einen Teil zurück, der ein Teil von uns wird. Wenn ich einen Menschen kennenlerne, lerne ich seine Geschichte kennen. Wenn dieser Mensch von mir geht, bleibt ein Teil von ihm für immer in meiner Erinnerung und ist damit ein Teil von mir. Wir lernen von den Erfahrungen, die andere Menschen gemacht und uns erzählt haben. Wir lernen von ihren Ansichten und formen dadurch unsere eigenen. Wir lernen nicht bloß zu beobachten, sondern zu verstehen. Mitgefühl ist nicht nur eine Eigenschaft, sie ist eine Tugend. Wer mitfühlen kann, kann verstehen, und wer versteht, der öffnet seine Augen und vor allem sein Herz für das Fremde. Theater bedeutet für mich verstehen und verstanden werden.

Was bedeutet Theater für dich?


Jugendredaktion “Die Sicht-Weisen” (2012-2015)

Die Sicht-Weisen erschien für einige Jahre alle paar Wochen in der Lokalzeitung “Wolfsburger Nachrichten“. Neben dem journalistischen Alltag – Berichte, Rezensionen und das eine oder andere Portrait – den ich bei den Wolfsburger Nachrichten als freie Mitarbeiterin verlebte, durfte ich bei der Jugendredaktion übergeordneten Themen nachgehen und philosophischen Gedanken freien Lauf lassen.

Es gab immer ein Thema, zu dem die Redaktionsmitglieder jeder einen Kommentar verfassten, die dann gebündelt auf einer Seite in der Zeitung erschienen.

Was Freiheit für uns bedeutet

Veröffentlicht am 06.05.2014

Was bedeutet frei zu sein für mich? Fragt man Wikipedia, so erhält man die einfache Antwort: „Freiheit wird in der Regel verstanden als die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.“ Frei zu sein bedeutet also frei entscheiden zu können. Doch ist man wirklich jemals frei in seinen Entscheidungen? Werden wir nicht dauerhaft von Meinungen und Ansichten anderer beeinflusst? Schlagen wir uns nicht unwillkürlich auf eine bereits vorherrschende Seite? Gibt es überhaupt den „freien Willen“?

„Freiheit kann man einem zwar lassen, aber nicht geben“, sagte Schiller. Ob man frei ist oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung die man trifft. Ich kann an den freien Willen glauben oder eben nicht. Ich kann in meinem tiefsten Innern davon überzeugt sein, meine eigenen Entscheidungen zu treffen oder ich lasse mich von den modernen Theorien einiger Wissenschaftler einschüchtern und bezweifle die Existenz des freien Willens. Doch bezweifle ich nicht dadurch automatisch die Existenz meiner Seele? Ist die einfache Tatsache, dass wir uns solche Fragen stellen, nicht der Beweis für den freien Willen? Ich sage: Ja.

Was bedeutet frei sein? Eine Antwort auf diese Frage muss am Ende jeder für sich finden. Doch zwei Tatsachen sind gewiss und unerschütterlich. Erstens: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ (Immanuel Kant). Zweitens: Jeder, ausnahmslos jeder, ob Mensch, ob Tier, hat ein natürliches und unantastbares Recht auf Freiheit. Und um jenen, denen dieses Recht geraubt wurde, Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, werde ich nichts unversucht lassen, sie in ihrem Freiheitskampf zu unterstützen. Sei es mit Unterschriften oder Geldspenden. Ich schaue nicht weg, wenn in den weit entfernten Ländern dieser Welt die Menschen für ihre Freiheit kämpfen.

Deshalb sehe ich die Meinungsfreiheit als ein großes Geschenk, dass uns in der Bundesrepublik Deutschland gegeben ist. Durch das Veröffentlichen heikler Meinungen und den Verzicht auf Zensur kann Aufklärung geschaffen und Verständnis geweckt werden. Ich nutze die Freiheit des Schreibens, um einerseits meine fiktiven Träume aufs Papier zu bringen und andererseits, um Geschichten zu erzählen. Geschichten von Menschen, von Kriegen, von Unrecht und Unterdrückung, aber auch von Hoffnung und Voraussicht.

Was bedeutet frei zu sein für dich?


Technik – Fluch oder Segen

Veröffentlicht am 08.07.2014

„Beam me up, Scotty“. Lange bevor das erste Handy auf den Markt kam, sprach Captain James T. Kirk diese Worte durch seinen „Kommunikator“, um so seinen Chef-Ingenieur auf der Enterprise den besagten Befehl zu erteilen. Heute hat beinahe jeder Mensch auf der Welt solch einen Kommunikator in seiner Hosentasche.

Doch anders als die Technik der U.S.S. Enterprise, die allein auf praktische Ziele ausgerichtet ist, bekommen wir heutzutage im Laden nicht bloß ein Handy, sondern einen Mini-Computer mit Kamera, Internet, App-Store, Bluetooth und was es nicht noch alles gibt. Sieht man dann Kleinkinder auf Tablets rumwischen und Jugendliche mithilfe von Kopfhörern ihre Umgebung aussperren, stellt man sich doch die Frage: Wo führt uns das alles hin?


Photo by Stefan Cosma on Unsplash

Es gibt ganz offensichtlich zwei Seiten dieser rasanten Entwicklung: Eine gute und eine dunkle Seite der Wissenschaft. Doch welchen Pfad wird unsere Spezies letztendlich beschreiten? Was kommt nach der Atombombe? Die Materie-Antimaterie-Bombe, wovon eine allein den Planeten in die Luft sprengen könnte? – Ein Glück, dass man nach jetzigem Stand der Technik für die Herstellung einer solchen Bombe etwa Zehntausend Jahre bräuchte.

Ich bin bei der Frage nach Fluch oder Segen der modernen Technik ein Optimist. Zwar bin ich nicht blind für die vielen Fehler, die nach wie vor gemacht werden, z.B. im Umgang mit der Stammzellenforschung oder dem Klonen von Schafen. Sowie den Kleinkindern, die schon auf Tablets rumwischen anstatt mit Bauklötzen zu spielen oder Jugendliche, die sich von der Außenwelt abschotten, anstatt ihr mit Neugier entgegen zu gehen. Aber warum fallen wir? Damit wir lernen, uns wieder aufzurappeln.


Unsere Kindheitsträume

Veröffentlicht am 22.07.2014

Schaue ich auf meine Amazon-Wunschliste, besteht sie mindestens zur Hälfte aus DVDs von Disney Filmen. Schaue ich auf meine Thalia-Wunschliste, besteht diese zu einem Viertel aus Kinderbüchern (das andere Viertel steht schon bei mir im Regal). Eine dieser vielen inspirierenden Geschichten, die Disney Imagineers und Kinder- und Jugendbuchautoren im Laufe von Jahrzehnten produzierten, ist mir besonders im Herzen geblieben: Die Geschichte von dem Jungen, der niemals erwachsen wurde – Peter Pan.

Ewige Jugend. Danach strebt die halbe Menschheit. Aber ich strebe nur nach einem: Niemals das Kind in mir zu verlieren. Man ist nie zu alt, um Narnia zu lesen oder Findet Nemo zu gucken. Diese Geschichten wecken die tiefsten Erinnerungen in unseren Herzen und erhalten uns das Talent zum Träumen.

Ich habe einige Verwandlungen mit meinen Kindheitsträumen durchgemacht. Zunächst, als unschuldiges Kind, wollte ich vor allem anderen einen Pferdehof in Spanien haben, wo ich die schönsten Andalusier züchten würde. Als ich in die Pubertät kam, verdrängte mein Ziel, Fußballerfrau zu werden und einen durchtrainierten Fußballprofi zu heiraten, diesen Wunsch schnell. Und heute weiß ich, das Einzige, was mich wirklich glücklich machen wird bis ans Ende meiner Tage, ist, wenn ich nie aufhöre, Geschichten zu erzählen.

Denn all diese Geschichten aus meiner Kindheit haben mir so viel beigebracht, mich so sehr inspiriert und mir vor allem so viel Freude geschenkt, dass ich diese Inspiration, diese Freude, auch anderen Menschen zuteil kommen lassen möchte. Deshalb lautet heute mein Traum Autorin für Bücher und auch Filme bzw. Serien zu werden. Und dank Walt Disney, Astrid Lindgren, James M. Barrie, Randy Pausch, Lewis Carrol, Joanne K. Rowling und vielen mehr, weiß ich eines ganz bestimmt: Wenn ich nur fest genug an meine Träume glaube und niemals aufhöre, etwas zu versuchen, dann werde ich auch eines Tages dieses Ziel erreichen.


Makel(los)

Veröffentlicht am 02.09.2014

Leonardo Da Vinci, Michael Jackson und die halbe westliche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Sie alle forschten oder forschen nach dem perfekten Gesicht, dem Schönheitsideal schlechthin. Ein Abstand zwischen den Augen von so und so viel, der Mund muss in dem Winkel geschwungen sein, die Augenbrauen so breit und lang, die Nase mit der und der Form. Wissenschaftler haben sie schon längst errechnet, die perfekten Gesichtszüge und laut der „Daily Mail“ existiert eine Frau, die mit diesem Gesicht geboren wurde: die Britin Florence Colgate.

Ich habe sie mir bei Google angeschaut und muss sagen: Naja. Und dieses Urteil rührt nicht etwa von Eifersucht her oder zickigem Verhalten, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil ich diese Frau absolut nicht kenne und daher nichts in ihrem Gesicht lesen kann. In meinen Augen ist Perfektionismus einfach langweilig.

Gesichtszüge, das sind Ausdrücke, Erfahrungen, Charaktereigenschaften. Nichts gegen Florence, sie wurde so geboren und ich bin mir sicher, wenn ich sie kennen lernen dürfte, entpuppte sie sich als ein netter Mensch. Aber jene Menschen, die dem Schönheitswahn erlagen und sich einerseits abmagern und andererseits mit Botox vollpumpen verdienen mein Mitleid. Denn sie halten dem Druck von Medien und Gesellschaft nicht stand und zerbrechen innerlich daran.

Dementsprechend verschwinden in ihren Gesichtern jene Falten, die an diese schwere Zeit im Leben erinnern oder von solchen Errungenschaften zeugen. Sie vertrüben den Glanz in ihren Augen, der von dieser Liebe zeugt oder jener Leidenschaft. Sie töten den Zug um ihre Mundwinkel, der mir ihre Geheimnisse offenbart und sie verfärben diese ihre eigene Haarfarbe, die so wunderbar auf natürliche Art und Weise in der Sonne glänzte.

Das perfekte Gesicht ist in meinen Augen mehr als die errechneten Maße von Wissenschaftlern. Es ist Ausdruck, Erfahrung und Geschichte. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass nicht Make-Up eine Frau schön macht (oder einen Mann), sondern der Charakter, der sich in ihren/seinen Zügen widerspiegelt und diesen Menschen so einzigartig und wunderbar macht.


Warum ich so gerne schreibe…

Veröffentlicht am 05.05.2015

Seit drei Jahren bin ich nun bei den „Sichtweisen“, die wir nach einer langen Pause im Jahr 2013 nun erfolgreich unseren 1-Jährigen Geburtstag feiern – Happy Birthday!! Wie es Geburtstage so an sich haben, beginnt man die bisher vergangene Zeit Revue passieren zu lassen. Man erinnert sich an die schönen Zeiten, aber auch an die schwierigen Tage. Ich lasse meine Gedanken heute noch weiter zurückschweifen – nämlich als für mich alles angefangen hat.

Schon in der Grundschule habe ich mit großem Eifer das Lesen und Schreiben gelernt. Ich habe es geliebt, die Wörter in mich aufzusaugen, die so tolle Geschichten erzählten. Oder meinen Füller über das Papier zu führen und eigene Erzählungen zu zaubern. Mit 14 traute ich mich dann an ein erstes Manuskript (was natürlich noch keinerlei Autorenstatus erreichte) und stürzte mich nach meinem Schulwechsel in der 9. Klasse in die Schülerzeitung am Ratsgymnasium. Es dauerte dann nicht lange, bis ich mich auch den „Sichtweisen“ anschloss und obwohl ich bereits im zweiten Semester in Erfurt studiere, sehe ich keinerlei Gründe, diese Redaktion zu verlassen.

Warum mir das Schreiben solch eine Freude bereitet? Hauptsächlich, weil ich dabei meine kreativen Gedanken loswerden kann. Wenn ich meine Finger über die Tastatur fliegen lasse, beginnen meine Ideen so richtig an zu fließen. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, eigene Geschichten zu verfassen, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Im Alltag eines Journalisten verfasst man selbstverständlich hauptsächlich jene Artikel, die auf gründlichen Recherchen beruhen und unverfälschte Tatsachen beinhalten. Es ist unheimlich spannend, solche Hintergründe zu erfassen, zu hinterfragen und kritisch zu betrachten. Doch kann es auch zur Routine werden, immer in demselben Format zu schreiben und seine eigenen Urteile zurückzuhalten.

So findet man bei den „Sichtweisen“ einen idealen Mittelweg zwischen freier Autorschaft und begründeter Recherche, wodurch die Abwechslung und Vielfalt garantiert ist. Ich kann es jedem jungen Schreiber nur empfehlen, sich uns anzuschließen und seinen Ideen freien Lauf zu lassen.


Die gleichgeschlechtliche Ehe

Veröffentlicht am 22.07.2015

Zu heiraten bedeutet, aus Liebe einen Bund einzugehen. Aber die Ehe ist viel mehr als das. Sie ist ein Versprechen, dass aus Hoffnung heraus gegeben wird. Eine Hoffnung auf Gemeinsamkeit, Fürsorge, Verantwortung. Wer sich das Ja-Wort gibt, der hat die Hoffnung, mit seiner/ihrer Partner/in den Rest des Lebens zu verbringen.

„Die Liebe ist es, die die Welt in ihrem Inneren zusammen hält“, sagte eins Goethe. Wie Recht er doch hat! Pessimisten argumentieren gerne, dass alle Handlungen eines Menschen auf den Egoismus zurückzuführen sind. Ich sage, alle Handlungen sind auf den Wunsch zurückzuführen, geliebt zu werden. Das Streben nach Macht, Geld und materiellem Reichtum sind lediglich ein Versuch, das Geliebt Werden zu ersetzen.

Wer das Glück hat, eine/n Partner/in zu finden, der/die einen unbeschreiblich liebt, der/die einen nimmt, mit allen Stärken und Schwächen, in guten, wie in schlechten Tagen, dem das Glück der/des Partners/in wichtiger ist als das eigene, wer so jemanden findet, sollte das Recht haben, von dem Gesetz als Ehepaar akzeptiert zu werden.

Denn, so heißt es in unserem Grundgesetz: „Alle sind vor dem Gesetz gleich.“ Dabei interessiert es nicht, ob eine Frau eine Frau heiratet, ein Mann einen Mann oder eine Frau einen Mann.

Das Argument, ein Kind verdiene Vater und Mutter, entstand aus einem falschen Denkansatz heraus. Denn wenn wir erkennen, dass allein das Geliebt Werden einen Menschen glücklich machen kann, dann ist es unwichtig, ob ein Kind von Oma, Opa, Tante, Onkel, Mama, Papa oder Papa und Papa oder Mama und Mama großgezogen wird. Alles was zählt, ist die Liebe. Und die Liebe ist unendlich vielfältig.


Schülerzeitung “Logo” (2009-2013)

Der Schülerzeitung Logo trat ich in der 9. Klasse bei, direkt nach meinem Schulwechsel auf das Ratsgymnasiusm Wolfsburg. Unter der Leitung von Frau Sander erschien in den nächsten Jahren die Zeitung 2-4 Mal pro Schuljahr. Von ihr lernte ich die Grundlagen des Journalismus. Durch die Teilnahme an der Redaktion erhielt ich Einladungen zu Workshops bei den unterschiedlichsten Medienhäusern und sammelte viele Erfahrungen.

Das Phänomen des Bloggers

Veröffentlicht im Schuljahr 2010/2011

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn ich mal wieder aus langer Weile bei Facebook Profile stalke, stoße ich immer öfter auf Links mit seltsamen Namen auf deren Seiten. Diese Namen heißen dann z.B. „How-I-Will-Kill-Myself“ („Wie ich mich selber umbringen werde“) oder „Dont-ask-me-know“ („Frag mich später“). So langweilig wie mir nun einmal war und so seltsam diese Namen mir erschienen, wurde ich natürlich dazu verleitet, auf diese Links zu klicken und sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Jederzeit bereit, das Fenster sofort wieder zu schließen, falls mir irgendwelche Geldabzocke-Seiten oder nicht jugendfreie Bilder entgegenspringen sollten, betätigte ich also die rechte Maustaste und wartete gespannt, bis diese mysteriöse „Wie ich mich umbringen werde“-Seite fertig geladen hatte.

20%….45%…67%…89%…99%… BÄM!! Ähm… oder auch nicht. Also damit hatte ich ganz und gar nicht gerechnet:

Bilder von den verrücktesten Kunstwerken/Menschen und lange Texte auf Englisch oder Deutsch in den wildesten Farben, tanzen über den Bildschirm. Hie und da öffnet sich ein Musikvideo von Sängern und Bands, von denen ich in meiner einfachen Welt vorher nie gehört habe!

Ich lese mir also diese bunten Texte durch und betrachte auf dessen Geheiß die wundersamen Bilder, die mit bewusster Missachtung der Urheberrechte von Google heruntergeladen und veröffentlicht wurden. Bald wird mir bewusst, dass diese Seite nur von dem Verfasser selbst handelt. Er präsentiert sich in den tollsten Farben und Eigenschaften. Er versucht durch die Bilder- und Videoflut jeden „Viewer“ von seiner Meinung und seinen Interessen zu überzeugen und will seine Philosophie in die große, weite Welt tragen – ob ihm dies gelingt, ist eine andere Frage.

Um das Phänomen dieser Seiten besser verstehen zu können, schaue ich mir noch einige weitere an und stoße sogar unter meinen Freunden auf diese sogenannten „Blogs“. Von diesen Freunden erfahre ich, dass das „Unternehmen Blogspot“ es jedem ermöglicht, seinen eigenen Blog zu eröffnen. Auf diesen Blogs veröffentlicht der „Blogger“ sein Leben. Er erzählt von den verrücktesten Geschichten und Träumen, die ihm widerfahren und beschreibt sie mithilfe der, mit etlichen Rechtschreibfehlern bestückten, bunten Texten – schade nur, dass es nicht viele interessiert, was für wundersame Träume er hat.

Aber er belässt es nicht bei diesen, hinzu kommen noch seine vielen Interessen. Sei es eine besondere, drittklassige Band, die ja ach so toll ist, nur weil er selber darin spielt, oder ein Mainstream-Modedesigner, der für H&M arbeitet. Alles wird hier veröffentlicht und in den höchsten Tönen gelobt und in der Welt verbreitet.

Keiner dieser stolzen Blogger verschwendet einen Gedanken daran, ob jemand diese Dinge lesen oder sehen will. Er verschwendet genauso wenig einen Gedanken daran, ob sich überhaupt jemand einmal auf seinen Blog begeben hat. Er schreibt einfach munter weiter und lädt weiterhin Fotos und Lieder herunter, ohne die Urheberrechte zu beachten und denkt, alle Welt sei seiner Meinung.

Diese Blogger verbreiten sich immer weiter unter der Menschheit und es gibt keine Hoffnung für diese Individuen, weiterhin ein Individuum zu sein, da dieses Phänomen mit Sicherheit bald zum Mainstream wird. Mal sehen, welche Ideen die selbstverliebten Teenager dann haben werden, um ihre ach so tollen und „individuellen“ Gedanken zu verbreiten.


Die Kompetenz der Vergesslichkeit

Veröffentlicht im Schuljahr 2011/2012

RRRRRing. RRRRRing. RRRRRing. Scheiß Wecker. Dir auch einen guten Morgen! Wie wär’s wenn du mich mal so wecken würdest? Während ich noch darüber philosophierte, wie gut sich Wecker mit lieblichen Stimmen verkaufen würden, stand ich umständlich auf. Frühstück! Eine Sache, die den Morgen zu etwas Gutem machte. Müslischüssel gefüllt, Kühlschrank auf: Keine Milch. Also umsteigen auf wabbeliges Toastbrot mit kalorienreichem Nutella. Super!

Nachdem ich mich noch am Glätteisen verbrennen durfte und mein geplantes Outfit nicht anziehen konnte, weil mal wieder die Hose noch in der Waschmaschine schwamm, machte ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Während ich noch gemächlich um die Ecke bog, wurde ich mit dem Anblick meines abfahrenden Busses beglückt. Verdammt! Warum musste der auch immer zu früh kommen? Was für ein wunderbarer Morgen das doch war!

Endlich angekommen. Und womit begrüßt mich der Montag? Doppelstunde Geschichte bei Herrn Nitschke. Die Lehrer sind immer noch der Meinung, man sei am Montagmorgen am lernbereitesten. Während der Rest des Kurses seine Mappen auf dem Schoß platzierte, um die allgemein bekannte Einführung-in-die-Stunde zu überstehen, suchte ich nach meiner Hausaufgabe. Wo war meine Hausaufgabe? Ah ja, ich weiß! In meinem Block auf meinem Schreibtisch – zu Hause. Und sowas passierte mir bei Herr Nitschke. Oh. Oh.

Aber es sollte doch tatsächlich ein Wunder geschehen, was mich vor einem Minus bewahrte. Heute sollte ein Tag sein, bei dem ich etwas Unvorstellbares erleben durfte. Wie gewohnt rauschte Herr Nitschke mit Verspätung in den Klassenraum, knallte seine Tasche auf den Tisch, rief mit unfassbarer Fröhlichkeit: „Guten Morgen!“ packte seine Mappe aus und: Tadaa! Ein ungläubiger Blick in den Kurs, zurück auf die Mappe und dann wieder in den Kurs. Ein ebenso ungläubiges Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus und dann die Offenbarung: „Ich habe meine Notizen für euch vergessen.“ Jubelrufe erfüllten den Klassenraum, in die ich begeistert mit einfiel, gleich nachdem ich diesen Tag in meinem RGW-Planer rot markiert hatte. Der weit verbreitete Virus des Schulstress‘ beschränkte sich also nicht nur auf Schüler.

Pause. Erholung. Sollte man meinen. Aber ich beteiligte mich beim Kuchenverkauf mit meinen Keksen, die mir mein Vater nachträglich in die Schule bringen musste, weil ich sie – welch Überraschung – vergessen hatte. Wie enorm konnte sich Vergesslichkeit in einem einzigen Menschen ausbreiten?

Abgesehen von Vergesslichkeit erfüllen den an Schulstress erkrankten Schüler bekanntlich Stimmungsschwankungen, Schüttelfrost und Schweißausbrüche. Vergleichbar mit einer Frau in den Wechseljahren. Klingt doch super! Und wem haben wir das alles zu verdanken? Dem Kultusminister. Denn er möchte, dass wir Kompetenzen erlangen, in allen Gebieten und innerhalb von 12 Jahren. Wenn’s sonst weiter nichts ist…

Was bedeutet der Begriff Kompetenzen überhaupt? Laut www.bpb.de bezeichnet der Begriff Kompetenz „die Regelung über die Zuständigkeiten der Staatsorgane, in Bundesstaaten auch die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Bund und den Gliedstaaten.“ Also sollen wir allesamt Politiker werden? Achso! Auch der Duden spricht nur von Zuständigkeit. Wir erwerben in unseren 12 Jahren Schule also Zuständigkeiten. Aha. Also jetzt bin ich eindeutiger schlauer als vorher. Nicht.

Wenn man sich das wunderbare Kerncurriculum einmal genauer durchliest, fällt dem Gymnasiasten auf, dass der Minister mit dem Begriff Kompetenz nur so um sich wirft, in verschlungenen, faselnden Sätzen, die am Ende genauso wenig Sinn ergeben, wie wenn man versucht Guttenbergs Beteuerungen Glauben zu schenken, die Doktorarbeit alleine geschrieben zu haben.

Und sowas entwickelt unsere Schulreform. Das kann ja nur noch besser für den von-Schulstress-geplagten-Gymnasiasten-Niedersachsens werden, oder nicht?


Hymne an das Lesen!!!

Veröffentlicht im Schuljahr 2011/2012

Ein stiller Nachmittag, die Herbstsonne scheint sanft durch die Vorhänge hinein, der Duft von Früchtetee erfüllt den Raum, die warme Wolldecke umschließt meine Beine, wärmt meinen Körper. Ein Haufen gepressten Papiers in meiner Hand, von Bildern umhüllt, mit Worten gekrönt. Eine unwirkliche Bewegung, die den unscheinbaren Gegenstand aufschlägt und somit die Tür zu einer anderen Welt öffnet.

Worte, die von dem gelblichen Papier in meinen Kopf wandern, sich zu Gedanken und schließlich zu Bildern formen, zu Szenen, zu einer ganzen Geschichte. Figuren, die mit ihren Gefühlen und Reden direkt in mein Herz finden, meine Wangen zum Glühen, meine Lippen zum Lachen und meine Augen zum Weinen bringen. Die unerbittlich in meinen Kopf eindringen und meine bisher erlebte Welt aus den Fugen werfen. Phrasen, die mich aus meiner Realität entführen und in ein fernes Universum zerren. Die mir dunkle Fantasien zuflüstern, wilde Träume heraufbeschwören und weise Ratschläge erteilen.

Ein Buch zu lesen bedeutet mehr, als nur Worte zu denken. Es bedeutet, über das Geschriebene nachzusinnen und von dem Beschriebenen zu lernen. Berühmte Autoren und Dichter sind nicht von alleine zu ihren Erkenntnissen gelangt. Sie haben sich zuvor von Büchern und Gedichten belehren lassen. Sie haben ihren Horizont, sprachlich und geistig, durch das Sammeln und Analysieren von Wörtern und Gedankengängen erweitert und ihre Fantasie zum Laufen gebracht. Sie haben ihre Scheuklappen abgelegt und ein Gefühl für ihre Umwelt entwickelt, mit dem sie alltägliche oder globale Probleme aufgriffen und in Geschichten einpflanzten, um späteren Generationen Botschaften zu hinterlassen, es besser zu machen. Große Namen wie Fontane, Shakespeare und Schiller schafften neue Wege, die Herzen der Menschen zu berühren und sie zu belehren. Noch heute vermögen Schriftsteller so manchen besser zu erreichen, als die eigenen Eltern oder Freunde.

Wir fühlen mit ihnen, identifizieren uns mit ihnen und fliehen für einige Stunden aus dem Alltag, um uns ganz dem Vergnügen des Denkens und der eigenen Fantasie zu widmen.

Sei es Unterhaltung durch kaltherzige, brutale Szenen in Form von Krimis und Thrillern.

Sei es ein Abtauchen in den Untergrund oder Erklimmen der höchsten Gebirge mithilfe von Drachenflügeln oder bösartigen Vampiren in der Welt der Fantasie.

Sei es ein Verkrümeln oder Aufleben in geschwollenen Phrasen und Anekdoten der Gedichtkunst.

Sei es ein Belehren lassen und Verschwinden in philosophischen Gedanken durch Kafka, Freud, Schiller, Goethe, Fontane und Co.

Aber lass es ein Buch sein. Ein Zimmer voller Bücher. Ein Raum voller Geschichten und Ideen. In unserer Schule. Auch in unserer neu gebauten Schule. Nimm uns nicht diese Möglichkeit des Lernens. Denn zu einem Ort des Lernens und Lehrens gehört die Welt der Bücher dazu. Erinnere dich an deine Kindheit. Erinnere dich an die süßen Worte deiner Mutter, die dir die Märchen vergangener Helden zuflüsterte in den späten Abendstunden und dir die schönsten Träume schenkte. Erinnere dich an die warmen Sommertage, an denen du im Gras gelegen hast und deine eigene Welt schufst, die nur dir gehören sollte. Erinnere dich daran und schenke uns diese Gelegenheit, liebe Schulbehörde, lieber Staat. Allen kommenden Generationen. Dem RGW.


Auf dem Weg zurück ins Nimmerland

Veröffentlicht im Schuljahr 2012/2013

Fantasie. Eine Tugend. Eine Erbschaft. Ein Vermächtnis. Nein, eine Krankheit. Sie überfällt dich in den ungünstigsten Momenten. Beim Mathetest, bei den Hausaufgaben, beim Zimmer aufräumen, beim Besteigen eines hohen Gipfels oder bei der Abfahrt einer gefährlichen Piste, kurz: In jeder Lebenslage, in der höchste Konzentration gefordert ist, reißt sie dich aus deiner Realität fort und entführt dich in gänzlich fremde Welten.

Schon im Kindesalter nimmst du die Viren dieser Krankheit in dich auf und wirst sie vermutlich nie wieder los. Infiziert von den Erfindern großer Geschichten, wie J.K. Rowling, Arthur Conan Doyle, C.S. Lewis, J.R.R. Tolkien, Cornelia Funke, Astrid Lindgren und vielen mehr, setzt die Fantasie sich in deinem Bauch, deinem Herzen und vor allem in deinem Gedächtnis fest und verstreut von dort aus die wildesten Ideen und Träume in deinem ganzen Körper.

Sie bringt dich zum Lachen, zum Weinen zum Triumphieren und zum Verzweifeln, lässt dich in verschiedene Rollen schlüpfen und dein eigenes Leben vergessen. Zwingt dich, die größten Gefahren zu überstehen, gegen Piraten zu kämpfen oder Mörder zu verfolgen, Königreiche zu verteidigen oder Geister zu vertreiben. Diese Geschichten, die in den Büchern der Autoren lauern, vernebeln deine Sinne und erlauben dir die unmöglichsten Dinge zu schaffen. Doch sie können dich so sehr gefangen nehmen, dass du die Realität vollends vergisst und Gefahr läufst, dich ernsthaft zu verletzen.

Illustration von Jonas Narchi

Ich zum Beispiel verbrachte nach meinem elften Geburtstag ein volles Jahr damit, auf eine Eule aus Hogwarts zu warten, die mir die erhoffte Einladung bringen sollte, um mir somit zu offenbaren, dass ich eine Hexe sei und auf die wunderbarste Schule der ganzen Welt gehen könne. Jeden Tag wurde ich erneut enttäuscht, als keine Eule eintraf und so erlitt ich täglich furchtbare Gefühlsschwankungen:

Zunächst Hoffnung und Erwartung, dann Enttäuschung und Traurigkeit. Bis ich zwölf wurde und akzeptieren musste, dass wohl keine Einladung mehr kommen und ich ein Muggle bleiben würde. Doch es dauerte nicht lange, da entdeckte ich die Geschichte von Peter Pan und seinem Nimmerland. Damit frisch infiziert ließ ich auch im tiefsten Winter nachts mein Fenster weit offen und wartete auf den Jungen, der niemals erwachsen wird und mich mit ins Nimmerland nimmt. Aber er kam nicht und ich blieb auf unserer Erde, enttäuscht und mit einer schlimmen Erkältung.

Andere griffen vermutlich schon zu einem großen schwarzen Regenschirm und wollten es der berühmten Mary Poppins gleich tun und damit fliegen. So stiegen sie auf so manchen Dach und wären in den sicheren Tod gestürzt, wenn sie nicht zuvor die Warnung aus dem Buch von Astrid Lindgren erhalten hätten, in dem sich die kleine Madita von Birkenlund mit einem solchen Regenschirm vom Dach eines Schuppens stürzte und sich eine starke Gehirnerschütterung zuzog.

Auf der Suche nach dem Mörder aus den Sherlock Holmes Geschichten hat sich schon der ein oder andere Detektiv auf kriminellen Pflastern bewegt, wenn die Polizei ihn nicht rechtzeitig gefunden und von dort weggeholt hätte, bevor er tatsächlich in ein Räubernest gestolpert wäre und diese ihn kurzerhand entführt hätten.

Genesung bringt nur das Erwachsenwerden. Das Vergessen der Kindheit und der wunderbar aufregenden Geschichten, die man erlebt und vor allem gelebt hat. Das völlige Einfügen in die Realität und das stumpfe Alltagsleben. So bewegt man sich bald fern aller Fantasie in einer trostlosen Welt. Bis man selbst Kinder hat und beobachtet, wie sie in ferne Welten verschwinden und wieder auftauchen. Wie ihre Gedanken des Nachts aus den Fenstern ins Nimmerland schweben, gegen Piraten kämpfen und mit Indianern tanzen. Wie sie die dunkelsten Zauberer besiegen und an der Seite eines Löwen für die Freiheit kämpfen. Und wenn man dann dieses unverkennbare Strahlen der Fantasie in den Augen der Kinder sieht, welche von wilden Geschichten und Abenteuern infiziert wurden, wird man sich fragen:

Wieso habe ich verlernt, an Feen zu glauben?