Schlagwort: Bedürfnis

Der Grenzraum

Je nachdem, welche Dimension unseres Selbst wir betrachten, ist es unser Ziel, unsere Grenzen zu verteidigen oder sie aufzulösen. Betrachte ich mein Grundbedürfnis nach Autonomie, dann verteidige ich hier meine Grenzen. Betrachte ich mein Grundbedürfnis nach Verbundenheit, dann ist es mein Streben, Grenzen aufzulösen.

Im Kontext des Lernraumdesigns für Kita und Schule, ist es die Aufgabe der Lebens- und Lernbegleitungen, ihre Schützlinge darin zu unterstützen, ihre individuelle Balance zwischen der Verteidigung innerer Grenzen und dem Auflösen äußerer Grenzen zu finden, und in der Selbstreflexion diese Grenzen laufend neu zu definieren.

Von Madita Hänsch 23. Juni 2024 0

Der Erfahrungsraum

Aktuell stellen sich Bildungshäuser als vornehmlich von ihrer Umwelt isolierte Gebäude dar, die auch in ihrer Konzeption und ihren Lernplänen wenig bis keine Schnittstellen zur Außenwelt bieten. Gerade für die Zielgruppen Kinder und Jugendliche wird dafür das Argument vorgebracht, ihnen damit Schutzräume zu bieten. 

Doch zum einen versagt das System kolossal darin, als Schutzraum tatsächlich zu fungieren, und zum anderen ist damit unseren Schützlingen nicht geholfen, weil es unser Auftrag ist, sie auf die reale Welt vorzubereiten und sie dazu zu befähigen, sich darin selbstwirksam bewegen zu können. 

Anstatt eine Isolation der Bildungshäuser anzustreben, empfehle ich daher, eher eine schützende Membran anzuwenden, die durchlässig bleibt für die Einflüsse der realen Welt. Diese Membran sollte auch kein Filter sein, der nur “unschädliche” Einflüsse zulässt. Stattdessen stellen wir sie uns als eine unsichtbare Grenze vor, die wir mithilfe unserer Verantwortung als Lebens- und Lernbegleitungen ziehen. Anstatt isolierter Schutzräume bieten wir Rückzugsräume, Experimentierräume und Begegnungsräume, in denen wir die Rahmenbedingungen bestimmen, sodass die “schädlichen” Einflüsse soweit an Macht verlieren, damit sich unsere Schützlinge mit ihnen auseinandersetzen können, den Umgang mit ihnen lernen können, ohne sich unnötigen Risiken auszusetzen – genauso, wie wir Schutzkleidung anziehen, bevor wir im Chemieunterricht experimentieren, aber nicht, indem wir die Experimente nur in der Theorie behandeln.

Von Madita Hänsch 22. Juni 2024 0

Lernraumdesign – Der Raum der Natur

Bis die Institution Schule gegründet wurde, gab es für den Großteil der Menschheit die Natur als Lernraum, das Spiel als Lernmethode und das Lernen im sozialen Umfeld. Institutionalisiertes und formelles Lernen ist eine sehr junge Erfindung in unserer Zeitgeschichte. Derweil hat uns der natürliche Lernraum und das Freispiel als Menschheit sehr weit gebracht. Dass die Natur inzwischen so stark aus unseren gesellschaftlichen Räumen verbannt worden ist und in der Schule mehr Beton als Grünfläche die Außenanlagen zieren, ist eine Entwicklung, die uns mehr schadet als nützt. 

Wir brauchen die Natur, um unsere Potenziale voll ausschöpfen zu können.

Von Madita Hänsch 16. Juni 2024 0

New Work braucht New Learning

Um von New Learning im engeren Sinne sprechen zu können, muss sich Lernen an den oben aufgeführten zentralen Prinzipien des New Work Konzepts orientieren und die Selbst- und Potenzialentfaltung des Individuums in den Fokus rücken, damit die Weiterentwicklung der Individuen einen Beitrag zur Entwicklung der Gesamtorganisation leisten kann. New Learning bezeichnet Lernen, das vom Lernenden als sinnhaft erlebt wird und die Teilhabe an der Gemeinschaft ermöglicht. Der Lernprozess ist dabei geprägt durch Selbstbestimmung, Autonomie und dem Streben nach Wirksamkeit. Die Lernenden erleben ein hohes Maß an Selbstverantwortung und die Zugehörigkeit zur (Lern-)gemeinschaft.
Was hat das mit der Arbeitskultur zu tun?

Von Madita Hänsch 3. Juni 2024 0

New Work needs Inner Work

An Organisationen ist heute mehr denn je die Anforderung gestellt, immer größere Informationsmengen mit immer größerer Geschwindigkeit wahrzunehmen und zu verarbeiten, wenn sie erfolgreich bleiben wollen. Organisationen, die für das Wahrnehmen und Verarbeiten von derartigen Informationsmengen auf wenige Top-Manager setzen, schaffen sich Flaschenhälse. Statt das Potenzial vieler hundert oder tausend Menschen in der Organisation dafür zu nutzen, wird diese Verarbeitungskapazität auf wenige zentrale Entscheidungsträger reduziert. Noch immer herrscht oftmals der Glaube, dass wenige Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten den richtigen Weg für eine Organisation kennen, dass sie alle wichtigen Einflussgrößen im Blick haben, deren Entwicklung gut einschätzen können und entsprechende Entscheidungen ableiten. Und, ganz ehrlich – wer würde das allen Ernstes von sich selbst behaupten? Doch selbst wenn die klügsten, empathischsten und kompetentesten Menschen an der Spitze der Organisation stehen, reichen deren Kapazitäten nicht aus, um der ständig steigenden Komplexität gerecht zu werden. Denn all das, was hier, bei diesen wenigen Menschen, nicht als ‚wichtig‘ genug erscheint, um auf die Agenda dieser wenigen Entscheidungsträger zu kommen, geht als Entwicklungschance für die Organisation verloren.

Von Madita Hänsch 31. Mai 2024 0

The Circle of Safety

Es ist eine logische Konsequenz, dass, wenn ich mich sicher fühle, mutig bin, mit neuen Ideen voranzugehen und Fehler einzugestehen, wenn ich keine Strafe oder Beschämung fürchten muss. Ebenso tolerant kann ich mit den Fehlern meines Gegenübers umgehen. Und wenn ich zum Ziel habe, gemeinsam daran zu arbeiten, Lösungen zu finden, dann ist es ein natürliches Verhalten, meinem Gegenüber dabei zu helfen, aus den Fehlern zu lernen und sich weiterzuentwickeln. 

Von Madita Hänsch 27. Mai 2024 0

Verbundenheit

Wir mögen die Natur von der Kultur differenzieren können, aber unser Lebensraum ist und bleibt die Natur per Definition. Und wenn wir bereits akzeptiert haben, dass wir mit allem verbunden sind, ist es nur logisch, auch mit der Natur verbunden zu sein. Verabschieden wir uns also endgültig von dem Einfluss von Descartes und Darwin’s These zur Konkurrenz als Motor der Evolution, und entdecken das Potenzial der Kommunikation, Kreativität und Kooperation, kurz, der Verbundenheit.

Von Madita Hänsch 20. Mai 2024 0

Würde

Für die Gestaltenden von Bildungsräumen leitet sich daraus die Aufgabe ab, diese Bedürfnisse der Lernenden zu erfüllen bzw. ihnen den nötigen Raum zu geben, damit sie sich selbst diese Bedürfnisse erfüllen können. Aus Perspektive der Scham als Hüter der Würde gesprochen: Ein Würderaum ist ein Raum, in dem die Menschen nicht fürchten müssen,  beschämt zu werden. Um noch konkreter zu werden, wie können die vier Bedürfnisse befriedigt werden?

Von Madita Hänsch 17. Mai 2024 0