Schlagwort: Bildung

Chancengleichheit

Neben der Veränderung der Arbeits- und Lernkultur in unseren Systemen, die in den vorherigen Kapiteln ausführlich thematisiert wurden, braucht es tiefgreifende strukturelle Veränderungen im System, um mehr Chancengleichheit zu ermöglichen. Die Dreigliedrigkeit behindert systematisch dieses Streben. Deshalb spreche ich mich für die Einheitsschule aus, die außerhalb von Deutschland die Regel ist und beweist, dass sie auch in Ländern mit heterogenen Bevölkerungsgruppen funktioniert – wenn die Förderung von leistungsstarken und leistungsschwachen Schüler:innen durch Unterstützungsprogramme umgesetzt wird, die fest in den Schulalltag integriert werden.

Von Madita Hänsch 12. Juli 2024 0

Nationale Bildungsstrategie

Die nationale Bildungsstrategie sollte nach dem Vorbild von Ländern wie Estland auf wissenschaftlichen Studien basieren, unter Einbezug der Öffentlichkeit mitgestaltet und von Expert:innengruppen gründlich erarbeitet werden, die über den Turm zu Babel der KMK und SWK hinausgehen, indem auch Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Eltern, die Wirtschaft, Unternehmensvertretungen aus dem Bereich der Bildung, und Lernende mit einbezogen werden. Sie muss außerdem Schnittstellen zu Policies wie den SDGs der UN oder dem OECD-Lernkompass aufweisen. Und sie braucht eine Vision, die zum Handeln inspiriert. 

Von Madita Hänsch 10. Juli 2024 0

Der inklusive Raum

Inklusion ist eine Haltung und eine Aufgabe (engl. commitment). Als Gesellschaft haben wir die Aufgabe, unsere öffentlichen Räume inklusiv zu gestalten, das heißt, sie so zu gestalten, dass jede:r teilhaben kann. Zu diesen öffentlichen Räumen gehören auch unsere Bildungshäuser, unsere Kitas, Schulen, Berufsschulen, Universitäten, Hochschulen, Volkshochschulen und weitere öffentliche außerschulische Lernorte. 

Um diese Lernräume inklusiv zu gestalten, ist mehr gefordert als eine entsprechende räumliche Ausstattung. Vor allen Dingen braucht es eine inklusive Haltung von unseren pädagogischen Fachkräften und Lernbegleitungen sowie allen anderen an der Gestaltung des Systems Beteiligten. 

Dabei ist es zu kurz gedacht, bei der Inklusion den Fokus auf Menschen mit Beeinträchtigungen zu legen. Inklusion umfasst uns alle, mit unseren vielfältigen sprachlichen, kulturellen, physiologischen und psychischen Grenzen.

Von Madita Hänsch 30. Juni 2024 0

Der digitalisierte Raum

Während Estland bereits in den 90er-Jahren alle seine Schulen digitalisiert hat und Informatik und Robotik usw. fester Bestandteil des Lernplans geworden sind, gibt es in 2024 nach wie vor Bildungshäuser in Deutschland, die kein Wlan haben. Trotz dieses desaströsen Zustands besteht heute die Chance, unsere Bildungshäuser jetzt mit Sinn und Verstand zu digitalisieren, da wir uns auf die Studien, Daten und Erfahrungen unserer Nachbarländer berufen können. Demnach zeichne ich im Folgenden ein Bild von der Vielfalt und den Potenzialen digitalisierter Lernräume, die bereits erfolgreich Anwendung finden und sich bewährt haben.

Von Madita Hänsch 29. Juni 2024 0

Der wertfreie Raum

Vor allen Dingen die Bewertung durch Noten und die Belohnung mit Zertifikaten und Abschlüssen verlagert systematisch die Motivation zum Lernen vom Inneren ins Äußere. Wir erziehen unsere Kinder im Kontext des Lernens dahin, dass sie Wissen haben wollen, anstatt wissend zu sein.
Spätestens durch den Einzug von Künstlicher Intelligenz ist es so offensichtlich wie nie zuvor, dass das Auswendiglernen und Wiedergeben von Informationen im Gleichschritt und nach standardisierten Leistungsmaßstäben obsolet geworden ist. Das, was den Menschen im Gegensatz zur KI noch erfolgreich macht, sind seine ihm angeborenen Fähigkeiten zur Kreativität, Kommunikation und Kooperation.

Von Madita Hänsch 28. Juni 2024 0

Der Grenzraum

Je nachdem, welche Dimension unseres Selbst wir betrachten, ist es unser Ziel, unsere Grenzen zu verteidigen oder sie aufzulösen. Betrachte ich mein Grundbedürfnis nach Autonomie, dann verteidige ich hier meine Grenzen. Betrachte ich mein Grundbedürfnis nach Verbundenheit, dann ist es mein Streben, Grenzen aufzulösen.

Im Kontext des Lernraumdesigns für Kita und Schule, ist es die Aufgabe der Lebens- und Lernbegleitungen, ihre Schützlinge darin zu unterstützen, ihre individuelle Balance zwischen der Verteidigung innerer Grenzen und dem Auflösen äußerer Grenzen zu finden, und in der Selbstreflexion diese Grenzen laufend neu zu definieren.

Von Madita Hänsch 23. Juni 2024 0

Der Erfahrungsraum

Aktuell stellen sich Bildungshäuser als vornehmlich von ihrer Umwelt isolierte Gebäude dar, die auch in ihrer Konzeption und ihren Lernplänen wenig bis keine Schnittstellen zur Außenwelt bieten. Gerade für die Zielgruppen Kinder und Jugendliche wird dafür das Argument vorgebracht, ihnen damit Schutzräume zu bieten. 

Doch zum einen versagt das System kolossal darin, als Schutzraum tatsächlich zu fungieren, und zum anderen ist damit unseren Schützlingen nicht geholfen, weil es unser Auftrag ist, sie auf die reale Welt vorzubereiten und sie dazu zu befähigen, sich darin selbstwirksam bewegen zu können. 

Anstatt eine Isolation der Bildungshäuser anzustreben, empfehle ich daher, eher eine schützende Membran anzuwenden, die durchlässig bleibt für die Einflüsse der realen Welt. Diese Membran sollte auch kein Filter sein, der nur “unschädliche” Einflüsse zulässt. Stattdessen stellen wir sie uns als eine unsichtbare Grenze vor, die wir mithilfe unserer Verantwortung als Lebens- und Lernbegleitungen ziehen. Anstatt isolierter Schutzräume bieten wir Rückzugsräume, Experimentierräume und Begegnungsräume, in denen wir die Rahmenbedingungen bestimmen, sodass die “schädlichen” Einflüsse soweit an Macht verlieren, damit sich unsere Schützlinge mit ihnen auseinandersetzen können, den Umgang mit ihnen lernen können, ohne sich unnötigen Risiken auszusetzen – genauso, wie wir Schutzkleidung anziehen, bevor wir im Chemieunterricht experimentieren, aber nicht, indem wir die Experimente nur in der Theorie behandeln.

Von Madita Hänsch 22. Juni 2024 0

Der Resonanzraum

Als Lernbegleitung kommt mir eine besondere Verantwortung zu, wenn ich einen Lernraum betrete, in dem sich meine Lernenden aufhalten. Ich kann sie mit meiner Energie begeistern und motivieren, ich kann Spannungen lösen und Ruhe erzeugen, ich kann Offenheit zeigen und den Raum erweitern, oder ihn begrenzen, wenn nötig. Dies erfordert eine hohe emotionale und soziale Intelligenz von mir – Empathie allein reicht hier nicht aus. Über meine Fähigkeit der Empathie hinaus, mit der ich die non-verbalen und paraverbalen Signale meiner Mitmenschen wahrnehmen kann, setze ich mein soziales Bewusstsein, meine sozialen Fertigkeiten und meine emotionale Intelligenz dafür ein, um die Resonanzen des Lernraums so zu beeinflussen, dass sie bestmögliche Rahmenbedingungen zur Förderung von erfolgreichen Lernprozessen darstellen. 

Von Madita Hänsch 21. Juni 2024 0

Der Raum des Spiels

Beim Spielen lernen wir. Das Spiel ist die ursprünglichste Form des Lernens. Hier erproben wir uns. Wir verwandeln uns, spiegeln uns, und erforschen unsere Identität. Im Spiel testen wir unsere Grenzen, erobern uns neue Räume und trainieren vielfältige Fähigkeiten. Besonders zu Beginn unserer Lebens- und Lernreise ist das freie Spiel von großer Bedeutung. Hier bestimmen wir die Regeln, in denen wir uns bewegen. Wir entfalten unsere Kreativität und schulen unsere soziale und emotionale Intelligenz. Der Raum des Spiels ist ein unerschöpflicher Potenzialraum für erfolgreiches Lernen. 

Von Madita Hänsch 17. Juni 2024 0

Lernraumdesign – Der Raum der Natur

Bis die Institution Schule gegründet wurde, gab es für den Großteil der Menschheit die Natur als Lernraum, das Spiel als Lernmethode und das Lernen im sozialen Umfeld. Institutionalisiertes und formelles Lernen ist eine sehr junge Erfindung in unserer Zeitgeschichte. Derweil hat uns der natürliche Lernraum und das Freispiel als Menschheit sehr weit gebracht. Dass die Natur inzwischen so stark aus unseren gesellschaftlichen Räumen verbannt worden ist und in der Schule mehr Beton als Grünfläche die Außenanlagen zieren, ist eine Entwicklung, die uns mehr schadet als nützt. 

Wir brauchen die Natur, um unsere Potenziale voll ausschöpfen zu können.

Von Madita Hänsch 16. Juni 2024 0